Nur eine knappe Autostunde von Wien entfernt, liegt eines der schönsten Barockschlösser Österreichs. Mitten in der Landeshauptstadt Eisenstadt erhebt sich das prunkvolle Schloss Esterházy. Hier wirkte Joseph Haydn vierzig Jahre lang als Fürstlicher Kapellmeister, wo er „zu leben und zu sterben sich wünschte“. Das neue Festival „Herbstgold“ lockt nun Musikliebhaber in die einstige Fürstenresidenz, wo sie vom 6. bis 16. September mit eigenen Augen und Ohren die herrschaftliche Schlossanlage erkunden und erleben können.

Motto „Revolutionen“

Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert – sie alle wurden von den Fürsten des Hauses Esterházy mit Kompositionen beauftragt und durch sie inspiriert. Doch besonders für Joseph Haydn war Schloss Esterházy eine wichtige Stätte seines Schaffens. Vor allem war der österreichische Komponist für seine musikalischen Revolutionen bekannt, die sich mitunter parallel zur französischen Revolution vollzogen. Davon hat sich das Festival inspirieren lassen und richtet danach sein diesjähriges Motto aus: „Revolutionen“

Bewusst auf den Zusammenklang der Sinne ausgerichtet, kombiniert das Festival revolutionäre Erfahrungen verschiedener Gattungen, ergänzt durch Gesprächsrunden mit Künstlern und Wissenschaftlern sowie „Nightline“-Konzerten im besonderen Ambiente des Schlosses Esterházy. Picknick- und Wohnzimmerkonzerte sorgen für echte Festivalstimmung und bringen darüberhinaus die Musik direkt zu den Menschen.

Haydn Philharmonie ist neues Residenzorchester

Haydn Philharmonie
Haydn Philharmonie © Nancy Horowitz

Den Auftakt macht am 6. September die Haydn Philharmonie, die ab 2017 Residenzorchester des Schlosses Esterházy ist. Nicolas Altstaedt dirigiert Werke von Beethoven, Schostakowitsch und Haydn. Das zweite Konzert der Haydn Philharmonie am 10. September vereint Werke von Haydn, Mozart und Schumann unter der Leitung von Alexander Lonquich. Am selben Tag tritt das französische Ensemble Les Vents Français mit François Leleux auf, der am 13. September ebenfalls zusammen mit dem Orchester Werke von Haydn, Beethoven und Schubert aufführt.

Am 8. September gastiert das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter der Leitung seines Chefdirigenten Cornelius Meister im Haydnsaal. Gemeinsam mit Klarinettist Andreas Ottensamer stehen Werke von Hefti, Stamitz und Beethoven auf dem Programm. Zusätzlich zum umfangreichen Konzertangebot leiten Andreas Ottensamer, François Leleux und Emmanuel Pahud eine eigene Meisterklasse während des Festivals.

Genreübergreifende Musik soll junges Publikum anlocken

Das Kontrastprogramm folgt am 9. September: Die Besucher erwartet ein aufregender Abend mit Balkan- und Roma-Musik. Auf Schloss Esterházy verbinden sich Klassik, Jazz und Roma-Balkan-Musik mit der Tradition des historischen Ortes. So stellt der britische Tenor Ian Bostridge an zwei Abenden Haydn und Beethoven der Grenzerfahrung der Schubert‘schen „Winterreise“ gegenüber, die wiederum mit einer Jazzfassung von Lia Pale und Band präsentiert wird. Gattungen wie Jazz, Balkan-Roma-Musik leben von Brüchen und Gegensätzen, Stile wechseln sich ab oder werden durch Neuerungen abgelöst. Damit sollen auch junge Festivalbesucher begeistert werden.

Magnifico
Die Balkan-Band „Magnifico“ © Marko Delbello Ocepek

Ein Festival im Festival

Kulinarische Köstlichkeiten
Kulinarische Köstlichkeiten: Pan O’Gusto © Pan O’Gusto/Herbstgold

Die historische Orangerie des Schlossparks wird am 9. und 10. September Schauplatz eines weiteren Highlights: Das Burgenland ist nicht nur für seine Natur- und Nationalparks sowie dem UNESCO-Weltkulturerbe Neusiedler See bekannt, sondern Österreichs östlichstes Bundesland steht auch für weltbekannte Weine und eine ausgezeichnete Küche: Das kulinarische Festival „Pan O’Gusto“ präsentiert deswegen die ganze Bandbreite der besonderen pannonischen Kulinarik. Spitzenköche aus Österreich, Ungarn und Slowenien kreieren spannende traditionelle und neue Leckerbissen in verschiedenen Schauküchen. Spitzenwinzer aus mehreren Ländern laden zum Verkosten ihrer einzigartigen Weinkreationen ein und erläutern dem interessierten Weinliebhaber ihre Philosophien. So kann sogar in der Kulinarik von Revolutionen gesprochen werden, wenn neue Ideen sich allmählich durchsetzen.

Abschließender Höhepunkt des Festivals ist der Quartett-Marathon im gesamten Schloss Esterházy. Das französische Ensemble Quatuor Ebène, das Schumann Quartett, das Quartett plus 1 sowie das Saxophon Quartett Phoen bringen die einstige Residenz vom Weinkeller bis zum Salon der Fürstin zum klingen und sorgen für einen Nachhall, der hoffentlich bis zum nächsten Jahr andauern wird.

Die Festivaldaten im Überblick:

Herbstgold
Zeitraum: 6.–16.9.2017
Künstler: Nicolas Altstaedt, Alexander Lonquich, Andreas Ottensamer, François Leleux, Emmanuel Pahud, Haydn Philharmonie u. a.
Ort: Eisenstadt