In unserer sechsteiligen Serie rund um das Thema Stimme, die uns von unserem Medienpartner GeloRevoice® ermöglicht wird, beschäftigen wir uns im ersten Teil mit der Stimmpflege bei Opernsängern, die auf ihr Instrument ja besonders gut achtgeben müssen.

Kurz vor einer Opernaufführung summt und brummt es hinter der Bühne wie in einem musikalischen Bienenstock. Während der Inspizient letzte vorbereitende Anweisungen in sein Mikrofon haucht, lockern sich Tänzer und Chorsänger in den Gängen der Seiten- oder Hinterbühnen noch einmal auf. Es wird gehüpft und sich gestreckt. Aus den Garderoben erklingen lange Glissandiseufzer und Tonleitern, die von oben nach unten, von unten nach oben und wieder zurück perlen, Arien werden angesungen, während die Anspannung steigt. Denn was sich bei einer Aufführung stimmlich so locker und leicht anhört, ist meist schwere Arbeit mit dem Instrument namens Stimme.

Sänger im vermeintlichen Regelwahn

Wie jedes Instrument, muss auch die Stimme sorgsam gepflegt werden, damit sie Höchstleistung zeigen kann. Und der vermeintliche Regelkatalog für Sänger ist immens: sei ausgeschlafen; meide Klimaanlagen; halte dich nicht in zu trockenen Räumen auf; trinke nicht so viel Milch und esse keinen Reis, denn beides verschleimt dir nur die Stimme; vermeide lange Flüge, denn sie laugen deinen Klangkörper aus; rauche nicht; trinke keinen Alkohol; wenn du eine Frau bist, solltest du die Pille nicht nehmen, weil die Hormone Einfluss auf die Stimme haben; schwimm vor einem Auftritt nicht in Chlorwasser; meide zu scharfe und zu kalte Speisen; trinke vor einem Auftritt nichts mit Kohlensäure und auch keine süßen Fruchtsäfte, wenn du nicht mitten in einer Arie aufstoßen oder großen Durst bekommen möchtest; nimm keine Antihistaminika oder gar Cortison, denn beides schadet auf Dauer eher als dass es hilft; nutze Luftbefeuchter und wage es im Sommer ja nicht, ein Sonnenbad zu nehmen, denn das trocknet deine Stimme nun wirklich aus; und vor allem: trink, trink, trink!

Sängerstimmen sind besonders empfindlich
Sängerstimmen sind besonders empfindlich © shutterstock

Jede Stimme ist anders

Stopp! Sänger sind auch nur Menschen. Zum Glück. Denn so gilt auch hier: Jeder Mensch ist anders – und reagiert unterschiedlich. Natürlich ist die Stimme ein ganzheitliches Instrument, das dementsprechend niemals ohne den Körper betrachtet werden darf. Krankheiten wirken sich ebenso direkt auf die Stimme aus wie etwa eine schlechte Tagesform.

Was aber letztlich gut oder schlecht für einen ist, kann nur jeder Sänger für sich selbst entscheiden. „Genau deswegen sollte man seinen Körper sehr gut kennen“, bestätigt die amerikanische Sopranistin Corinne Schaefer, die auf deutschen Bühnen ebenso heimisch ist wie auf denen in den Vereinigten Saaten. „Ich habe zum Beispiel kein Problem mit scharfen Speisen wie mancher Kollege und kann sie auch vor einem Auftritt essen. Bei Milchprodukten muss ich indes vorsichtig sein, weil sie bei mir die Schleimproduktion sehr fördern. Deswegen genieße ich sie meist erst nach einem Auftritt.“

Corinne Schaefer
Corinne Schaefer © Julian Freyberg

Gut zur eigenen Stimme sein

Neben der Kenntnis des eigenen Körpers ist für Corinne Schaefer vor allem eines immens wichtig: Flüssigkeit. „Eigentlich braucht man immer genügend Flüssigkeit. Nur mit ausreichender Hydration kann man seinen Körper sowie seine Stimme dauerhaft fit und gesund halten. Im Sommer muss man allerdings besonders darauf achten, weil die Stimmbänder einfach viel schneller austrocknen können.“ Zu einer ausreichenden Flüssigkeitsversorgung gehört aber nicht nur das Trinken an sich, wie Schaefer bestätigt: „Vor Auftritten lutsche ich auch gerne Tabletten wie GeloRevoice®, um meine Stimme geschmeidig zu halten.“

Übrigens hat auch der Winter neben trockener Heizungsluft seine Tücken für Sänger. So können die Temperaturunterschiede zwischen einem geheizten Raum und der Straße schon ein kleiner Schock für das Instrument Stimme sein. Dementsprechend wichtig ist es, die Stimme lang genug an die Temperaturen zu gewöhnen, bevor man singt, wie Corinne Schaefer aus eigener Erfahrung weiß: „Einmal sang ich bei einer Freilichtaufführung von Mozarts ‚Zauberflöte’ in Florida, wo es zu der Zeit ungewöhnlich kalt und windig war. Natürlich wollte ich instinktiv so lange wie möglich im Warmen bleiben. Doch ich kämpfte dagegen an und blieb draußen, um meine Stimme und meinen Körper an die Kälte zu gewöhnen, damit meine Stimmbänder aufgrund des Temperaturunterschieds keinen Schock bekommen mussten.“

Stimmpflege: Alles eine Frage der Balance

Generell sollte man sich als Sänger mit all den Regeln und Verboten in Sachen Stimmpflege nicht allzu sehr stressen. Corinne Schaefer hat ihre Stimmhygiene auf einen einfachen Nenner heruntergerechnet: „Es ist alles eine Frage der Balance. Man muss nicht immer gleich auf alles verzichten. Wenn ein Glas Wein am Abend vor einem Konzert kein Problem ist, dann sollte man es auch genießen. Falls man weiß, dass man auf Alkohol empfindlich reagiert, sollte man tunlichst die Finger davon lassen.“ Es kommt also immer darauf an, wie empfindlich beziehungsweise robust die eigene Stimme ist. Je besser ein Opernsänger sich selbst und sein Instrument kennt, desto einfacher ist letztlich auch die Stimmpflege.

 

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