„Aber jetzt brauche ich etwas zu trinken.“ Mit diesem Satz beendet man gerne das Resümee über den eben erlebten Konzert- oder Opernabend, und zwar ganz gleich, ob er großartig, miserabel oder irgendwas dazwischen war. Die Elbphilharmonie hat für solche Situationen gleich selbst Abhilfe geschaffen: Auf drei Etagen können die Besucher vom Snack bis zum Menü sämtliche Hungergefühle löschen, zudem kann man in einem Shop- und Tastingbereich zwanzig verschiedene Biersorten verkosten. Doch so sehr die Elbphilharmonie erst recht nach ihrer feierlichen Eröffnung in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung gerückt ist: Es gibt auch andere Orte, an denen Musik gespielt wird und wo am Ende plötzlich der Satz fällt: „Aber jetzt brauche ich etwas zu trinken.“

Unser Partner Niehoffs Vaihinger stellt Ihnen sechs interessante Lokale für den Cocktail danach vor:

Carls an der Elbphilharmonie

Quasi maßgeschneidert für den Besuch der Elbphilharmonie ist das Carls direkt gegenüber, wo man noch bis 23:30 Uhr kleine Köstlichkeiten bestellen kann. Michel Rinkert, seit der Eröffnung 2008 Chef de Cuisine, kombiniert dafür die Erfahrungen aus seinen Stationen in den besten Küchen Hamburgs und Paris’ zu Kreationen, die die nordische mit der französischen Küche vereinen. Francesco Potenza, Patron des Carls, empfängt die Gäste in zwei Bereichen: der Brasserie mit offener Küche, aubergineroten Sesseln und deckenhohen Glasflächen, die einen traumhaften Blick auf Elbe und Konzerthaus zulassen, sowie dem Bistro, wo meterhohe Regale verlockende Kolonialwaren preisgeben. Wie die Speisekarte ist auch die Weinauswahl einerseits erlesen, andererseits moderat in den Preisen. Übrigens: Hier kann man den Konzertabend nicht nur würdig ausklingen lassen, sondern auch starten: Um 17:30 Uhr können Gäste das „Elphi-Menü“ genießen und danach ganz entspannt in die Elbphilharmonie schlendern.

Am Kaiserkai 69, 20457 Hamburg
Öffnungszeiten Bistro: 12:00–23:30
Öffnungszeiten Brasserie: 12:00–15:00, 17:30–23:30
www.carls-brasserie.de

Le Lion – Bar de Paris

Auf der Website sind lediglich die Kontaktdaten vermerkt, und um in die Bar zu gelangen, muss man einen Klingelknopf betätigen. Das mag zwar den Eindruck erwecken, dass sich die Lion Bar ihre Gäste selbst aussuchen möchte und keine Laufkundschaft wünscht. Jedoch ist es ein Ausdruck von Diskretion, weshalb Geschäftsführer Jörg Meyer ganz bewusst auf marktschreierische Gästeakquise verzichtet. Wenn man nicht gerade mit einer Gruppe trink- und exzessfreudiger Partygänger die Bar stürmen möchte, öffnet sich auch nach dem Klingeln zuverlässig das Tor zur Welt der vermutlich besten Cocktails, die man in Hamburg bekommt. Genau genommen kann man die Lion Bar auch als beste in ganz Deutschland bezeichnen, denn die Jury der Zeitschrift „Drinks International“ nahm sie in die Liste der fünfzig besten Bars weltweit auf: Platz 16 im internationalen Vergleich, auf den höheren Rängen befindet sich keine weitere deutsche Adresse.

Neben den Cocktails war das Fachmagazin insbesondere vom Ambiente begeistert: Flauschige Teppiche in gedeckten Farbtönen und verspielte Wandverzierungen lassen die Pariser Bar-Kultur der zwanziger Jahre authentisch aufleben. Dass es den „Gin Basil Smash“ damals nicht gab – geschenkt: Die hauseigene Cocktail-Kreation aus Gin, Zitronensaft und Basilikum ist inzwischen ein Klassiker nicht nur innerhalb des Gemäuers an der Rathausstraße. Ein Dresscode muss übrigens nicht beachtet werden, was auch an der erwähnten Diskretion liegt: Name, Aussehen und sozialer Status der Gäste sind hier völlig unwichtig. Man sollte allerdings nicht nur den Barkeepern, sondern auch deren Drinks jenen Respekt zollen, den sie verdienen.

Erreichbar:
Staatsoper / Laeiszhalle: ca. 10 Min. mit dem öffentlichen Nahverkehr bzw. Auto
Elbphilharmonie: ca. 10 Min. mit dem öffentlichen Nahverkehr bzw. Auto

Rathausstraße 3, 20095 Hamburg
Öffnungszeiten: 18:00–03:00 (sonntags bis 01:00)
www.lelion.net

Jahreszeiten Bar / Wohnhalle

Und gleich noch ein Preisträger-Lokal: Der „Aral Schlemmeratlas“ kürte die Jahreszeiten Bar am Neuen Jungfernstieg zur „Bar des Jahres 2014“. Hinter dem Tresen steht mit Enrico Wilhelm einer der angesehensten Cocktailmixer Deutschlands. Dessen einstige Experimentierfreude mit asiatischen Zutaten hat sich inzwischen etwas gelegt, mit innovativen Kreationen begeistert Wilhelm aber noch immer. Allerdings sind Mixgetränke die eine Sache – sagen zumindest jene, die ihre Drinks lieber pur trinken. Es kommt auch auf die Auswahl an Spirituosen an, und die ist hier so exquisit wie umfangreich.

Will man den Abend etwas ruhiger ausklingen lassen, muss man von hier aus gar nicht das Gebäude wechseln: Neben der Bar beherbergt das Hotel Vier Jahreszeiten auch die „Wohnhalle“, die genau das ist, was der Name schon sagt: ein Wohnzimmer, welches einen wundervollen Blick auf die Binnenalster bietet, sofern man sich einen der begehrten Fensterplätze ergattert. Im Übrigen eignet sich dieser Ort nicht nur für anregende Gespräche mit Freunden, sondern auch für das exakte Gegenteil: Man kann hier auch wortlos das hanseatisch-noble, ruhige Ambiente mit seinen stuckverzierten Decken, Marmorböden und holzvertäfelten Wänden genießen. Genau das Gegenteil also von der kleinen, quirligen Bar nebenan.

Erreichbar:
Staatsoper / Laeiszhalle: ca. 1 km zu Fuß
Elbphilharmonie: ca. 20 Min. mit dem öffentlichen Nahverkehr, ca. 10 Min. mit dem Auto

Neuer Jungfernstieg 9, 20345 Hamburg
Öffnungszeiten: 12:00–01:00
www.hvj.de

H2O Bar & Kitchen Lounge

Es lohnt sich, auf dem Weg vom Konzert in das Scandic Hotel Eile walten zu lassen: Bis 23 Uhr hat die Küche geöffnet, in der regionale Bio- und Fair-Trade-Produkte in fantastische Gerichte verwandelt werden. Die Köche interpretieren die norddeutsche und skandinavische Küche neu, kredenzen aber auch ganz klassische und traditionelle Gerichte auf hohem Niveau, was in der Gastronomie eine Seltenheit geworden ist. „Küche“ ist in diesem Fall jedoch ein irreführender Begriff, denn Herzstück der „H2O Kitchen Lounge“ ist die – soviel neudeutsch muss sein – „Live-Cooking-Station“: Die Köche arbeiten nicht in einem separaten Raum, sondern mitten im Lokal selbst, so dass die Gäste bei der Zubereitung der Gerichte zusehen können.

Sollten die Konzertzugaben und der Schlussapplaus zu opulent und zeitraubend ausfallen, kann man aber auch gemäßen Schrittes und ohne panischen Blick auf die Uhr das Hotel aufsuchen – und in der H2O Bar Platz nehmen. Dort können die Gäste erfahren und vor allem schmecken, dass nicht nur Gerichte, sondern auch Cocktails am besten den saisonalen Gegebenheiten angepasst werden. Das Thema Nachhaltigkeit geht die skandinavische Hotelkette übrigens keineswegs verkrampft, sondern mit nordisch-trockenem Humor an. Wer eine Wasserkaraffe bestellt, bekommt auf einem Kärtchen schon mal mitgeteilt: „Der Weg des Wassers sollte niemals weiter sein als vom nächsten Wasserhahn.“ Es muss halt nicht immer das französische Edelwässerchen aus Vichy sein.

Erreichbar:
Staatsoper / Laeiszhalle: ca. 100 m zu Fuß
Elbphilharmonie: ca. 20 Min. mit dem öffentlichen Nahverkehr, ca. 10 Min. mit dem Auto

Dammtorwall 19, 20355 Hamburg
Öffnungszeiten: Mo-Sa 12:00–00:00 (freitags und samstags bis 02:00)
www.scandichotels.de

Marblau

In Norddeutschland blickt man sehnsüchtig nach Skandinavien, in Süddeutschland hingegen nach Süden zum Mittelmeer. Binsenweisheiten wie diese haben ihre Gültigkeit, wären aber keine Binsenweisheiten, wenn sie nicht ebenso viele Ausnahmen von der Regel hätten. Zum Beispiel das Marblau, das einer mediterranen Enklave mitten in der Nordsee-Metropole gleicht und bezüglich des Mittelmeers keine Grenzen kennt: Die Gerichte und auch das Ambiente sind griechisch, italienisch, französisch, spanisch und portugiesisch zugleich, wobei auch die nordafrikanische und die orientalische Küchenkultur einfließt. So kunterbunt die regional-mediterranen Einflüsse sind, so durchmischt ist auch die Gästeschaft.

Aufgrund der Lage ist das Marblau natürlich ein Hotspot für Konzertgänger und für jene, die ein Konzert gegeben haben. Da es hier keine Bar für die tieferen Nachtstunden gibt, gilt dasselbe wie beim H2O (s.o.): Nach dem Konzert sollte man die Beine in die Hand nehmen, um in den Genuss der Küche zu kommen, die bis 23 Uhr geöffnet hat.

Erreichbar:
Staatsoper / Laeiszhalle: ca. 200 m zu Fuß
Elbphilharmonie: ca. 20 Min. mit dem öffentlichen Nahverkehr, ca. 10 Min. mit dem Auto

Poolstraße 21, 20355 Hamburg
Öffnungszeiten: 11:30–01:00
www.marblau.de

Klimperkiste

So richtig zwanglos und ausgelassen sind Konzerte und Opernabende eher selten, insbesondere dann, wenn die Molltonarten das Regiment haben. Das Bedürfnis, danach die Krawatte zu lockern oder die Pumps in bequemere Schuhe auszutauschen, kann dann recht groß ausfallen. Für solche Momente ist seit Jahrzehnten die Klimperkiste die ideale Wahl. An der Esplanade im Zentrum gelegen, befindet sich das Lokal eher abseits der üblichen Adressen des Hamburger Nachtlebens. Das Kneipenpublikum kann man schon beim Anblick des Eingangsschildes ermessen: Der Bassschlüssel fungiert als Buchstabe P in „Klimperkiste“, und das Emblem eines Bezahlsenders weist darauf hin, dass man hier auch Bundesligapiele gucken kann. Musik und Fußball – die Kombination funktioniert prächtig in der urigen Kneipe: Wenn der Fernseher aus ist, wird gerne der Deckel des betagten Klaviers geöffnet (der Name des Lokals kommt nicht von ungefähr), und man kann den künstlerisch so straff begonnenen Abend musikalisch gelockert beenden, gerne auch bis in die frühen Morgenstunden. Und man kann sich womöglich auf einen Plausch mit jenen Orchestermusikern einlassen, denen man zuvor im Konzertsaal andächtig gelauscht hat.

Erreichbar:
Staatsoper / Laeiszhalle: ca. 10 Min. zu Fuß
Elbphilharmonie: ca. 20 Min. mit dem öffentlichen Nahverkehr, ca. 10 Min. mit dem Auto

Esplanade 18, 20354 Hamburg
Öffnungszeiten: 16:00–04:00 (freitags und samstags bis 06:00)
www.klimperkiste.com

Außerdem

Wer sich nach dem Elbphilharmonie-Besuch noch die Füße vertreten möchte, sollte zunächst CARLS Brasserie einen Besuch abstatten und anschließend ins Portugiesenviertel an den Landungsbrücken gehen, denn dort befindet sich eine Vielzahl an schmucken kleinen Bars und Lokalen. Nach einem Verdi-Abend in der Staatsoper wiederum bietet das Favoloso gleich ums Eck einen mediterranen Ausklang voller Italianità mit köstlichem Fingerfood und einer hervorragenden Auswahl italienischer Weine.  Auf St. Pauli werden in den Bars und Lounges des east Hotel über 250 Cocktails, feine Spirituosen und ausgesuchte Weinen angeboten und bieten mit ihrer Mischung aus futuristischen und nostalgischen Elementen ein ganz spezielles Ambiente. Wenn die Nacht etwas länger werden soll, empfiehlt sich auch die Leo Bar in Rotherbaum, von wo aus man schnell die zahlreichen umliegenden Clubs erreichen kann.

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Fotos: Thies Rätzke, bigshrimp Hamburg, Scandic Hamburg Emporio, Barblau, pixabay