Wenn eine Auszeichnung das Potenzial hat, als Nobelpreis unter den Würdigungen für junge Pianistinnen und Pianisten zu gelten, dann ist es der Prix Serdang. Mit einem Fördervolumen von 50.000 Schweizer Franken zählt er nicht nur zu den höchstdotierten Preisen seiner Art; mit Rudolf Buchbinder prägt zudem einer der bedeutendsten Klaviervirtuosen unserer Zeit die Auswahl als maßgebliche künstlerische Instanz. Seine jahrzehntelange, international erfolgreiche Karriere und sein wacher Blick für junge Talente befähigen ihn in besonderer Weise, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu erkennen und zu fördern.
Ins Leben gerufen wurde der Prix Serdang 2022 von dem Unternehmer und Mäzen Adrian Flury, der als Eigentümer der titelgebenden Villa Serdang in Feldbrunnen zugleich den räumlichen Mittelpunkt dieses kulturellen Engagements zur Verfügung stellt. Als Ort der Begegnung bietet sich das 1644 erbaute und 1892 im Jugendstil umgestaltete Anwesen in ruhiger Lage nahe Solothurn in besonderem Maß an; der Kammermusiksaal der Villa fasst rund achtzig Gäste und schafft damit jenen konzentrierten Rahmen, in dem künstlerische Exzellenz und persönliche Nähe zueinanderfinden.
Unmittelbares Vertrauen in die künstlerische Reife
Ziel des Prix Serdang ist es, „außergewöhnliche Talente in einer wichtigen Phase ihrer Laufbahn zu unterstützen und ihnen Freiraum für ihre weitere Entwicklung zu geben“, so Flury. In den vergangenen Jahren profitierten Martin James Bartlett (2022), Ariel Lanyi (2023), Alexandra Dovgan (2024) und zuletzt Colin Pütz (2025) von der Auszeichnung. Mit der diesjährigen Vergabe feiert der Prix Serdang nun seine fünfte Ausgabe. Ausgezeichnet wird die 2004 in Moskau geborene Pianistin Eva Gevorgyan.
Gevorgyan zählt zu den profiliertesten jungen Pianistinnen ihrer Generation. Als Yamaha Young Artist ist sie Preisträgerin von mehr als vierzig Klavierwettbewerben, darunter die Cleveland International Piano Competition for Young Artists und die Van Cliburn Young Artist Competition. 2020 erhielt sie ein von Evgeny Kissin verliehenes Stipendium des Klavier-Festival Ruhr; 2021 war sie die jüngste Finalistin beim Chopin-Wettbewerb in Warschau und gewann dort einen Sonderpreis. 2022 erschien ihr Debütalbum mit Werken von Chopin und Skrjabin. Als Solistin trat sie mit zahlreichen internationalen Orchestern auf und gastierte in Sälen wie dem Concertgebouw Amsterdam, der Elbphilharmonie Hamburg, der Tonhalle Zürich und dem Konzerthaus Berlin.

Die pianistischen Fähigkeiten im festlichen Rahmen beweisen
Gevorgyan nimmt die Auszeichnung am 14. Juni im Rahmen einer Preisverleihung in der Villa Serdang entgegen, wo sie mit César Francks „Prélude, Choral et Fugue“ sowie mit Auszügen aus Sergej Rachmaninows „Études-Tableaux“ op. 33 den Anspruch dieser Honorierung auch künstlerisch beglaubigt. „Den Prix Serdang zu erhalten, ist eine außerordentliche Ehre, und ich bin zutiefst dankbar, in diesem Jahr ausgewählt worden zu sein. Für jede Künstlerin und jeden Künstler ist es zutiefst ermutigend zu wissen, dass die eigenen Ideen, die Hingabe und die künstlerische Vision bei anderen Resonanz finden“, sagte Gevorgyan im Vorfeld der Verleihung.
Dass der hochdotierte Prix Serdang ausdrücklich kein Wettbewerb ist und bewusst an keine Bedingungen geknüpft wird, zählt zu seinen entscheidenden Alleinstellungsmerkmalen. Buchbinder sieht die Aufgabe des Preises vor allem darin, für Künstlerinnen und Künstler, die bereits erste Erfahrungen gesammelt haben, Impulsgeber und Sprungbrett zur Verwirklichung eigener Projekte zu sein. Darüber hinaus soll der Prix Serdang weitere Fördermaßnahmen anstoßen – von Gastengagements bei großen Festivals bis hin zu CD-Einspielungen. So versteht sich die Auszeichnung nicht allein als glanzvoller Moment der Anerkennung, sondern als nachhaltige Investition in die künstlerische Zukunft.
Aufmacherbild (v.l.n.r.): Kurator Rudolf Buchbinder, Preisträgerin Eva Gevorgyan und Preisstifter Adrian Flury © Thomas Entzeroth