Schon bei der Ankunft wird man nicht von schroffen Extremen empfangen, sondern von einer Landschaft, die dazu einlädt, sich einzulassen. Das Kaisergebirge, mit Zahmer Kaiser, Kaisertal sowie Wilder Kaiser, liegt zu großen Teilen im Kufsteinerland und markiert den sanften Einstieg in die Tiroler Alpen. Statt extremer Höhenmeter erwartet Besucher hier ein vielseitiges Terrain für genussvolle Aktivitäten: Wandern auf aussichtsreichen Panoramawegen, Radfahren im Tal entlang des grünen Inns oder bewusstes Innehalten vor alpiner Kulisse.

Entschleunigung als Erlebnis
Ein besonderes Symbol dieser behutsamen Annäherung an die Berge ist der Kaiserlift. Als einer der letzten Einser-Sessellifte Österreichs ist er weit mehr als ein Transportmittel. Er ist eine Zeitreise, die den Weg selbst zum Erlebnis macht. Gemächlich schwebt man hinauf, lässt den Alltag hinter sich und erreicht das Kaisergebirge auf eine Weise, die bewusst im Kontrast zur hektischen Gegenwart steht. Als einzige künstliche Aufstiegshilfe in dieses Naturschutzgebiet verbindet er Zugänglichkeit mit Respekt vor der Landschaft. Wer hier oben ankommt, ist nicht außer Atem, sondern bereit für mehr.
Und dieses „Mehr“ beginnt oft am Abend. Denn das Kufsteinerland bietet ein kulturelles Angebot, das weit über das hinausgeht, was man in einer alpinen Region erwarten würde. Nach einem aktiven Tag bleibt genügend Energie, um sich ganz auf Oper, Theater und Konzert einzulassen.

In Erl steht die Oper im Mittelpunkt
Allen voran stehen die Tiroler Festspiele Erl, die sich längst als Fixpunkt im internationalen Festspielkalender etabliert haben. Das architektonisch beeindruckende Festspielhaus ist spektakulär in die Landschaft eingebettet und bildet den Rahmen für ein Programm, das Oper, Konzert und musikalische Entdeckungen auf höchstem Niveau vereint.
Seit 2024 ist Jonas Kaufmann Intendant. Im Fokus der Saison 2026/27 steht die Oper: „Tristan und Isolde“ im Sommer sowie „La traviata“ im Dezember. Auch selten gespielte Werke wie Franz Schrekers „Der ferne Klang“ und Francesco Filideis zeitgenössische Oper „Accabadora“ setzen besondere Akzente. Ergänzt wird das Programm durch konzertante Aufführungen von „Nabucco“ und „Anna Bolena“ sowie zahlreiche Konzerte.
Ein weiteres Highlight setzt im August „La Guitarra Erl“. Das Festival feiert die Vielfalt der Gitarrenmusik und schlägt klangliche Brücken zwischen Genres und Kulturen.

Gelebte Tradition und Gemeinschaft
Doch nicht nur die große Bühne prägt das kulturelle Leben. In Thiersee zeigt sich, wie tief Kunst in einer Region verwurzelt sein kann. In diesem Jahr feiert der Passionsspielverein Thiersee das 100-jährige Bestehen des Passionsspielhauses.
Das Gebäude, das 1926 in Eigenleistung der Dorfbevölkerung errichtet wurde, ist weit mehr als ein Aufführungsort. Es ist ein Symbol für gemeinschaftliches Engagement.
Am 14. Juni 2026 öffnet das Haus seine Türen, und Besucherinnen und Besucher haben die seltene Gelegenheit, die außergewöhnliche Akustik und die besondere Atmosphäre dieses historischen Ortes unmittelbar zu erleben.

Jubiläumsinszenierung und Theaterhöhepunkte
Im Herbst folgt die Jubiläumsinszenierung „Der Brandner Kaspar kehrt zurück“ von Wolfgang Maria Bauer, inszeniert von Diethmar Straßer. Die Fortsetzung der beliebten Geschichte verbindet Humor mit tiefgründigen Fragen und bringt zugleich die ganze Bandbreite des dörflichen Kulturlebens auf die Bühne. Die Aufführungen am 25. September sowie am 2., 3., 9. und 10. Oktober 2026 versprechen eindrucksvolle Theaterabende. Die nächsten Passionsspiele in Thiersee sind für 2028 geplant, ganz im traditionellen sechsjährigen Rhythmus.
Auch die traditionsreichen Passionsspiele in Erl finden wieder statt: Das religiöse Schauspiel, das seit 1613 aufgeführt wird, zählt zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO und gilt als das älteste Passionsspiel im deutschsprachigen Raum. Die nächste Aufführung ist turnusmäßig allerdings erst wieder für 2031 vorgesehen.

Bühne mit Geschichte
Die Festung Kufstein wird zum Schauplatz kultureller Höhepunkte. Beim MusicalSommer im Juli und August verwandelt sich mit „Saturday Night Fever“ die imposante Anlage in eine Freiluftbühne, die Historie und Unterhaltung auf besondere Weise verbindet.
Bereits im Juni und Juli steht mit „Jedermann“ ein Klassiker auf dem Programm, dessen existenzielle Themen im historischen Ambiente des Festungsneuhofs aufgeführt werden und somit zusätzliche Tiefe gewinnen.

Ein perfektes Wochenende zwischen Natur und Kultur
Für Kultur- und Konzertliebhaber bietet das Kufsteinerland ideale Voraussetzungen für ein rundum gelungenes Wochenende. Die Kunst liegt in der richtigen Dramaturgie.
Der Freitag beginnt entspannt mit der Anreise und einem Spaziergang durch Kufstein. Auf dem Historischen Stadtweg lernt man viele geschichtlich relevante Ecken der Innenstadt kennen, angereichert mit kleinen Geschichten und Anekdoten. Täglich um 12 Uhr findet in der Festung Kufstein ein Konzert auf einem ganz besonderen Instrument statt: Die Heldenorgel mit ihren 4.948 Pfeifen ist die größte Freiorgel der Welt, deren Klang weit über Kufstein hinaus hörbar ist. Im Juli und August gibt es zusätzlich eine Aufführung um 18 Uhr.
Der Samstag gehört der Natur, etwa mit einer Fahrt mit dem Kaiserlift und einer leichten Wanderung im Kaisergebirge, die Raum für frische Gedanken schafft. Nach einer genussvollen Einkehr zum Beispiel im Weinbergerhaus oder der Brentenjoch-Alm bleibt Zeit zur Regeneration, bevor am Abend ein Konzert bei den Tiroler Festspielen Erl oder eine Aufführung auf der Festung Kufstein die Tageserlebnisse krönt.
Der Sonntag lädt erneut zu einer besonderen Zeitreise ein: In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Thierseetal als Kulisse für zahlreiche Spielfilme. Auf dem leichten Themenweg „Tiroler Traumfabrik“ lässt sich Filmgeschichte rund um den Thiersee auf einem Rundweg ab dem Passionsspielhaus entdecken. Stationen informieren über Filme der 1940er- und 1950er-Jahre sowie ihre Darsteller und Regisseure. Die Route endet an der Station „Wintermelodie“ – einem schönen Platz zum Verweilen am See, bevor es allmählich zurück in den Alltag geht.
Aufmacherbild: © Mathäus Gartner