
Moderne Schauspielkunst „made in Meiningen“
Zum 200. Geburtstag seines berühmten Sohnes feiert Meiningen im Jahr 2026 Herzog Georg II. – den „Theaterherzog“. Was einst spöttisch gemeint war, gilt heute als Ehrentitel. Denn in Meiningen nahm die Idee des modernen Regietheaters ihren Anfang. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte der Herzog von Sachsen-Meiningen ein neues Verständnis von Inszenierungen: Werktreue, Ensemblegeist und lebendige Interpretation wurden hier zum Maßstab – und prägen die darstellenden Künste bis heute.
Mit großzügigen finanziellen Mitteln holte Georg II. herausragende Musiker und Schauspieler an sein Theater und die damals schon herausragende Hofkapelle. Zugleich ging das Ensemble auf ausgedehnte Gastspielreisen und brachte das „Meininger Theater“ nach Berlin, Amsterdam und sogar bis ans Schwarze Meer. Ob es Hollywood ohne den theaterbegeisterten Herzog und seine „Meininger“ so gäbe?
Komponisten und Dirigenten wie Johannes Brahms und Hans von Bülow wirkten hier, in unserer Zeit hinterließ Kirill Petrenko mit seinem legendären „Ring“-Zyklus unter der Regie von Christine Mielitz seine Spuren und setzte damit eine Tradition von Aufführungen der Opern Richard Wagners fort, für die das Theater bis heute bekannt ist. Wagner selbst schätzte die Meininger Hofkapelle sehr und engagierte deren Musiker für die Eröffnung jenes berühmten Festspielhauses im nicht fernen Bayreuth, das in diesem Jahr sein 150. Jubiläum feiert.
2026 feiert Thüringen diesen Visionär mit zahlreichen Veranstaltungen. Das Georgjahr startet offiziell an seinem Geburtstag am 2. April, der mit einem großen Jubiläumsfest im Schloss Elisabethenburg begangen wird. Ausstellungen, Themenkonzerte, historische Theaterstücke und viele Angebote für Kinder beleben die Stadt. Abseits der Bühne lockt die südthüringische Idylle mit weiteren Highlights: prachtvolle Grünanlagen, wie der Altensteiner Park, der alte Baumbestand im Englischen Garten, das imposante Schloss Elisabethenburg und die charmante Altstadt an der Werra. Eisenbahnfreunde kommen in der Dampflok-Erlebniswelt auf ihre Kosten.

Thüringen wird zur Kulisse
Was das Theaterland Thüringen so besonders macht, ist das enge Zusammenspiel von Kultur und Landschaft. Hier entstehen Inszenierungen nicht nur in historischen Bauten, sondern oft im Dialog mit ihrer Umgebung. Wenn kunstvolles Licht die gotische Kirchenarchitektur um die Domstufen in Erfurt dramatisch beleuchtet, wird das Gemäuer zum Hauptdarsteller. Wenn im Liebhabertheater Schloss Kochberg der Vorhang in einem authentischen Saal der Goethezeit aufgeht, atmet der Raum Theatergeschichte. Auf der Wartburg können Wagner-Fans den Spuren ihres Idols folgen: Hier fand Richard Wagner Inspiration für seine Oper „Tannhäuser“.
Auch unter freiem Himmel wird Theater und Musik gefeiert. Bei den Burg Classics spielt die Vogtland-Philharmonie auf der Ruine Reichenfels Rock, Klassik und Pop zwischen mittelalterlichen Mauern. Das Friedenstein Open Air in Gotha bringt Schlager, Filmmusik und internationale Stars in den Innenhof des Schlosses. Und an der Staumauer von Tambach-Dietharz finden Konzerte vor spektakulärer Naturkulisse statt.
Weil die Wege in Thüringen kurz sind, lassen sich Theaterbesuche mühelos mit Stadtbummel, Museum, Wanderungen über den Rennsteig oder Kulinarik verbinden.

Eine besondere Theaterkunst
Thüringens Theater- und Orchesterlandschaft bietet weit mehr als klassisches Bühnenprogramm. Familien, Kulturreisende, neugierige Städteurlauber oder junge Menschen finden hier ihr passendes kulturelles Highlight – inklusive der besonderen Tradition des Puppentheaters, die hier besonders lebendig ist. Die Ladenwerkstatt von Martin Gobsch auf der Krämerbrücke in Erfurt ist längst eine Institution und eine Reise wert. Hier schnitzt der Puppenkünstler Figuren unter anderem für das Theater Waidspeicher und hat mit seinem „Theatrum Mundi“ einen eigenen Guckkasten mit mechanischem Puppenspiel geschaffen: Nach Münzeinwurf erwachen seine Figuren zum Leben – ein kleines Wunder, das nicht nur Kinder begeistert.

Weimarer Klassik, frisch interpretiert
Wer an Weimar denkt, denkt an Goethe und Schiller. Ihre Werke gehören heute zur Weltliteratur – doch zu ihrer Zeit waren sie revolutionär. Beim renommierten Kunstfest Weimar oder im Programm des Deutschen Nationaltheaters lebt dieser Geist fort. Der Weimarer Sommer lädt zusätzlich zu Open-Air-Erlebnissen ein: Auf der Sommertheaterbühne am e-werk inszeniert Schauspieler und Regisseur Jörg Pohl Molières Klassiker „Der Menschenfeind“ als rasante Komödie. Und „Hollywood“ – das es vielleicht ohne Thüringens Theater so nicht gäbe – beschließt das Festival mit Melodien aus Film und Musical im Sound der Staatskapelle Weimar. Auf gutes Wetter hofft man hier zu Recht, denn auch davon hat Thüringen erstaunlich viel.
Mehr Informationen und Termine unter theater.thueringen-entdecken.de
Aufmacherbild: © Thüringen Tourismus GmbH/Florian Trykowski