Eine fundierte musikalische Ausbildung erhalten, Gemeinschaft erleben und in einem der besten Knabenchöre auf Chorreisen die Welt entdecken – das ist der Traum vieler musikinteressierter Jungs, die Mitglied im Dresdner Kreuzchor werden wollen. Doch wie wird man eigentlich Kruzianer und wie sieht der Alltag aus? Alle interessierten Familien – ob aus Dresden oder anderswo – sind beim Nachwuchstag auf dem Campus eingeladen, es vor Ort selbst herauszufinden und Kruzianer-Luft zu schnuppern. Das künstlerische Team stellt die musikalische Ausbildung vor, denn als Mitglied des Dresdner Kreuzchores erhält man mitnichten nur eine Gesangsausbildung, auch Instrumente können hier professionell erlernt werden. Außerdem besteht die Gelegenheit, sich umfassend zu informieren und beraten zu lassen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nachwuchsbüros nehmen sich Zeit, alle Fragen zum Kruzianer-Alltag und zur Aufnahmeprüfung zu beantworten.

Seit 1371 singt der Dresdner Kreuzchor regelmäßig in der Kreuzkirche am Altmarkt © Martin Jehnichen
Seit 1371 singt der Dresdner Kreuzchor regelmäßig in der Kreuzkirche am Altmarkt © Martin Jehnichen

Mehr als ein Chor

Seit hunderten von Jahren kommen Menschen in die Dresdner Kreuzkirche am Altmarkt, um die Kruzianer singen zu hören. Hier, im Zentrum der Stadt, liegen die Wurzeln des Knabenchores, der das kulturelle Leben in Dresden prägt. Der Chor ist ein Aushängeschild der Elbe-Stadt, aber weit mehr als das. Mit seiner über 800-jährigen Geschichte ist der Dresdner Kreuzchor nicht nur ein bedeutender Klangkörper, sondern auch eine renommierte Ausbildungsstätte für junge Stimmen. Etwa 140 aktive Mitglieder im Alter von 9 bis 19 Jahren musizieren hier im gemischt-stimmigen Knaben- und Männerchor. Die Gestaltung der Kirchenmusik bildet das Fundament der künstlerischen Arbeit. So wird die Tradition der Vesper – einer etwa einstündigen kirchlichen Feier – seit 1371 ununterbrochen in der Kirche am Altmarkt gepflegt. Ein ebenso vielfältiges wie umfassendes Repertoire, das Tradition und Moderne verbindet, zeichnet den Chor aus. Es reicht von den frühbarocken Werken des Dresdner Hofkapellmeisters Heinrich Schütz, den bachschen Passionen, Motetten und Kantaten bis hin zur Chormusik des 19. und 20. Jahrhunderts. Auch Uraufführungen erfahren große Anerkennung in der Öffentlichkeit. Der Dresdner Kreuzchor ist eine lebendige Gemeinschaft, die für talentierte Knaben unabhängig ihrer Konfession offen ist.

Auch musiktheoretische Grundlagen sind früh Teil des Unterrichts © Grit Dörre
Auch musiktheoretische Grundlagen sind früh Teil des Unterrichts © Grit Dörre

Früh übt sich

Schon im Vor- und Grundschulalter bietet der Dresdner Kreuzchor musikbegeisterten Jungen eine umfassende musikalische Ausbildung. Dabei gilt: Viele Wege führen in den Chor. In den wöchentlichen Singstunden kommen Kinder aus Dresden und Umgebung zusammen und werden von erfahrenen Musikpädagoginnen und Musikpädagogen angeleitet. Sie erlernen einfache Lieder, bekommen ein Gefühl für die eigene Stimme und entdecken so die Freude am gemeinsamen Musizieren. In der zweiten Klasse lernen die Jungen Noten lesen, Rhythmen klatschen und Intervalle erkennen. Mit diesen Grundlagen der Musiktheorie können sie schon bald einfache Melodien vom Blatt singen. In der dritten Klasse wird die Ausbildung vertieft, und die Jungen werden auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet. Fast täglich nehmen sie an Chorproben teil, erhalten Gesangs- und Instrumentalunterricht und bilden sich in Musiktheorie weiter. Eine Erzieherin begleitet die Jungen durch den Tag und hilft ihnen, die Abläufe gut und selbständig zu bewältigen. Mit der Aufnahme in die vierte Klasse beginnt die Zeit als Kruzianer. Das Schuljahr dient dabei auch als Probejahr, um gut in der Chorgemeinschaft anzukommen sowie die Anforderungen der musikalischen Ausbildung und des Evangelischen Kreuzgymnasiums meistern zu können. Sobald ein Junge in den Dresdner Kreuzchor aufgenommen ist, darf er gemeinsam mit seinen Eltern entscheiden, ob er im Alumnat – dem Internat des Kreuzchores – wohnen möchte. Das Alumnat liegt direkt auf dem Campus des Kreuzgymnasiums. Stufenweise werden angehende Kruzianer daran gewöhnt, auf Chorreisen auch fern der Familie Teil einer starken Gemeinschaft zu werden.

Steht beim Nachwuchstag Rede und Antwort: Kreuzkantor Martin Lehmann © Martin Jehnichen
Steht beim Nachwuchstag Rede und Antwort: Kreuzkantor Martin Lehmann © Martin Jehnichen

Mitmachen erlaubt

Der Nachwuchstag bietet einen umfassenden Einblick in die Welt der Kruzianer. Auf einer Entdeckertour durch den Campus kann man alle Räumlichkeiten der Grundschule, des Kreuzgymnasiums und des Alumnats kennenlernen. Auch die Schneiderei, in der die dunkelblauen Anzüge für die Chorsänger hergestellt werden, gewährt Einblicke in ihre Arbeit. Kreuzkantor Martin Lehmann, der den Chor seit 2022 leitet, ist auch vor Ort und nimmt sich Zeit für Gespräche. Lehmann, der selbst Kruzianer war und aus einer traditionellen „Kruzianer-Familie“ stammt, studierte nach seinem Abitur auf dem Kreuzgymnasium Chordirigieren bei Hans-Christoph Rademann und wurde 2012 Leiter des Windsbacher Knabenchores. Traditionell wird der Nachwuchstag mit einem gemeinsamen Singen für Jung und Alt beschlossen – und für ein spontanes Vorsingen für alle Jungen, die Lust bekommen haben, in die Welt des Kruzianer-Singens einzusteigen, ist ebenfalls Gelegenheit.

© Titelbild: Martin Jehnichen