In den letzten Tönen im Vielberth-Gebäude der Universität Regensburg schwingt noch etwas mit, das klar macht, dass der Bundeswettbewerb Jugend musiziert mehr ist als eine Summe aus Wertungsspielen: Er ist ein Resonanzraum für eine ganze Generation junger Musikerinnen und Musiker.

Vom 21. bis 31. Mai wurde die 63. Ausgabe des traditionsreichen Nachwuchswettbewerbs zu einem klingenden Ausnahmezustand. Rund 1.900 junge Talente kamen zusammen, nachdem sie sich in 173 Regional- und 19 Landeswettbewerben durchgesetzt hatten. In München und Regensburg verwandelten sie die Städte in eine weit verzweigte Bühne mit rund 950 Wertungsspielen.

Familienklang mit Präzision und Nähe

Einen besonderen Schlusspunkt setzte die Verleihung des Sonderpreises für das beste Familienensemble durch die Sparkassen-Finanzgruppe. Ausgezeichnet wurden Anne, David und Felia Sum aus Wolfach im Schwarzwald. Ihr Beitrag in der Kategorie „Kammermusik für Holzblasinstrumente“ überzeugte nicht nur durch technische Sicherheit, sondern vor allem durch etwas, das sich schwer messen lässt: ein gemeinsames musikalisches Verständnis, das aus Nähe, Vertrauen und jahrelangem Miteinander gewachsen ist.

Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde von Stefan Proßer, Vizepräsident des Sparkassenverbandes Bayern, überreicht. Für ihn sei ein Familienensemble mehr als eine musikalische Formation. Es stehe für Zusammenhalt, Rücksicht und das gemeinsame Tragen von Verantwortung. Gerade in einer Zeit ständiger Veränderung zeige sich hier, wie stark verbindende Werte durch Musik hörbar werden können.

Ausgezeichnet mit dem Sonderpreis für das beste Familienensemble durch die Sparkassen-Finanzgruppe: Anne, Felia und David Sum aus Wolfach im Schwarzwald © Uwe Mossburger
Ausgezeichnet mit dem Sonderpreis für das beste Familienensemble durch die Sparkassen-Finanzgruppe: Anne, Felia und David Sum aus Wolfach im Schwarzwald © Uwe Mossburger

Mehr als ein Wettbewerb

So sehr Jugend musiziert als Leistungsplattform gilt, so deutlich wurde auch in diesem Jahr, dass es längst nicht nur um Punkte und Platzierungen geht. Begleitangebote wie Workshops zur mentalen Gesundheit oder Formate rund um Social Media zeigten, dass die Organisatoren den Blick bewusst weiten. Der Wettbewerb versteht sich zunehmend als Raum, in dem junge Menschen nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich wachsen können.

Zwischen diesen strukturierten Angeboten bleibt jedoch das, was den Wettbewerb seit Jahrzehnten prägt, unangetastet, nämlich die Begegnung. Das spontane Gespräch nach dem Vorspiel, das gemeinsame Warten hinter der Bühne, das kurze Nicken zwischen zwei Auftritten. Es sind diese unspektakulären Momente, in denen ein Netzwerk entsteht, das oft weit über den Wettbewerb hinausreicht.

Ein System, das Talente trägt

Die Unterstützung durch die Sparkassen-Finanzgruppe ist dabei keine schöne Zugabe, sondern fest in der Struktur des Wettbewerbs verankert. Seit Jahrzehnten begleitet sie Jugend musiziert auf allen Ebenen, vom Regionalentscheid bis zum Bundesfinale. Außerdem gilt sie als einer der wichtigsten nichtstaatlichen Förderer von Kunst und Kultur in Deutschland. Die wiederkehrende Botschaft lautet: Musikalische Bildung braucht nicht nur Talent, sondern auch stabile Rahmenbedingungen.

Dass viele ehemalige Teilnehmende heute auf internationalen Bühnen stehen oder in renommierten Musikhochschulen studieren, ist Teil dieser Erfolgsgeschichte. Für viele beginnt sie genau hier, mit einem ersten Bundespreis, einer ehrlichen Rückmeldung einer Jury und dem Gefühl, dass sich jahrelanges Üben in einen Moment verdichten kann, der trägt.

Zwei Städte, ein Klangraum

Die Entscheidung, den Wettbewerb auf München und Regensburg zu verteilen, schuf 2026 einen erweiterten Klangraum, in dem sich unterschiedliche Atmosphären gegenseitig ergänzten. Urbanes Großstadtflair traf auf historische Resonanzräume. Gemeinsam formten sie eine Kulisse, in der sich die Vielfalt der Beiträge noch stärker entfalten konnte.

So erlebte man junge Menschen, die mit großer Ernsthaftigkeit musizieren, ohne die Freude daran zu verlieren, und ein Publikum, das sowohl die Leistung, als auch die Leidenschaft dahinter wahrnimmt. Erneut hat Jugend musiziert bewiesen, dass musikalische Exzellenz und Gemeinschaft einander nicht ausschließen, sondern sich gegenseitig stärken.

Aufmacherbild: Das Preisträgerensemble mit seinen Eltern und Stefan Proßer (rechts), Vizepräsident des Sparkassenverbands Bayern © Uwe Mossburger